Schweinegrippe bei Kiwi Vision
Tag 1 - Mittwoch, 09.12.2009
9:30 Uhr - Es ist so weit. Der erste Kollege Frank ist krank. Seine Freundin meldete eben telefonisch, Frank hätte die ganze Nacht im Fieber zugebracht und der Arzt hat es bestätigt: Schweinegrippe. Nun ist er 1 Woche krankgeschrieben, von Mittwoch bis Mittwoch.
Beim gemeinsamen Frühstück werden wir alle nachdenklich. Niemand von uns ist geimpft. Zuviel Negatives war über die Nebenwirkungen der Impfung zu lesen. Der Zimmernachbar Markus hat seit gestern Kopfschmerzen. Wir im Nachbarzimmer fühlen uns noch gesund. Aber wir machen uns Gedanken, wo Frank überall angefasst haben könnte. Gestern hat er uns den Tisch gedeckt. Die Türklinken und Lichtschalter berühren wir alle im Büro. Diese desinfizieren wir sofort nach dem Frühstück und alle Handtücher werden ausgewechselt. Jeder geht noch einmal Hände waschen und benutzt Wick "Erste Abwehr" aus unserem Shop, was wir vor 2 Wochen selbst gekauft haben. Dann geht es normal mit der Arbeit weiter. Ob am Abend die Weihnachtsfeier stattfindet, entscheiden wir später.
13:00 Uhr - Zimmernachbar Markus gibt dem Kopfschmerz und Schnupfengefühl sicherheitshalber nach und geht für heute heim. Frank bekommt zusätzlich zur ärztlichen Krankschreibung 2 weitere Quarantäne Tage betrieblich verordnet und muss in der Zeit von zu Hause aus arbeiten. Hintergrund sind die widersprüchlichen Aussagen der Experten, wie lange ein Patient infektiös ist - siehe Ansteckungsgefahr. Wir wollen kein Risiko eingehen.
Ich stelle inzwischen fest, das heute sehr viel ausdauernder Hände gewaschen werden von jedem. Erstmals seit 1,5 Jahren in diesem Büro erlebe ich nämlich warmes Wasser aus dem Wasserhahn. Alle warten auf ein Lebenszeichen von Frank.
15:00 Uhr - Ein ehemaliger Kollege ruft bei uns im Büro an und sagt, ihm ginge es gar nicht gut. Seine Freundin hätte sich zudem gestern mit Franks Freundin getroffen und nun kränkeln alle. Ob wir denn soweit okay sind? Mir wird plötzlich klar, das ich gestern Abend den ganzen Freundeskreis in der Schwimmhalle getroffen hab und frage mich: Kann der H1N1 Virus eigentlich schwimmen? Inzwischen haben wir beschlossen, die Weihnachtsfeier zu verschieben. Als gutes Team warten wir lieber, bis alle daran teilnehmen können.
17:00 Uhr - Franks Freundin bringt den Krankenschein zu Kiwi Vision. Sie berichtet, er bekommt Tamiflu und es geht ihm richtig schlecht, 40 Grad Fieber. Betretendes Schweigen im Büro.
Tag 2 - Donnerstag, 10.12.2009
11:00 Uhr - Heute morgen kommen alle vier, die gestern noch fit waren, wieder auf Arbeit. Bei einer Inkubationszeit von 1-2 Tagen sind wir uns langsam sicher, uns nicht bei Frank angesteckt zu haben.
Markus, der freiwillig dem Kopfschmerz und Schnupfengefühl nachgegeben hatte meldet, das außer ein wenig Halskratzen nichts mehr ist. Dennoch bleibt er heut und morgen sicherheitshalber zu Hause und arbeitet von dort. Manchmal verläuft Schweinegrippe ja auch mit milden Symptomen und man ist dennoch infektiös für andere. Wie es Frank inzwischen geht, wissen wir noch nicht.
Tag 3 - Freitag, 11.12.2009
11:45 Uhr - Wir 4 übrigen bei Kiwi Vision sind immer noch gesund. Türklinken und Lichtschalter desinfizieren, viel Lüften, die Hände ausdauernd waschen und mit Wick "Erste Abwehr" einsprühen hat also geholfen. Zudem haben wir eine große Stiege Clementinen im Büro und beenden jedes gemeinsame Essen mit der kleinen extra Portion Vitamine. Ansonsten bewegt sich jeder in der Freizeit ganz frei in der Stadt. Gehäufte Fälle werden vor allem aus dem Landkreis gemeldet. In der Stadt ist es noch ruhig.
Markus hat nur noch ein Kratzen im Hals und arbeitet von zu Hause aus. Die 2,5 Tage (von Mittwoch Mittag bis heute) und das nun kommende Wochenende haben in jedem Fall das Infektionsrisiko gemindert und werden ihn fit für die kommende Woche machen.
Von Frank hat immer noch niemand etwas gehört. Wir sind jedoch nicht beunruhigt. Wäre etwas schlimmeres passiert, hätten wir es längst erfahren. Soviel Verlass ist auf Freundeskreis und Familie. Wir sehen es positiv - Frank wird sich ordentlich auskurieren. Um so besser für uns.
12:11 Uhr - Frank hat eben angerufen. Hurra, er lebt. Vom Grippemittel hat er Kopfschmerzen. Ansonsten geht es ihm ein klein wenig besser. Das endgültige Testergebnis ist erst nächsten Dienstag zu erwarten. Wir finden das seltsam, das es so lange dauert. Sollten die Labore derart überlastet sein?
Tag 6 - Montag, 14.12.2009
11:00 Uhr - Markus ist wieder auf Arbeit. Von Grippe keine Spur mehr. Wir überlegen, wie wir das mit der Weihnachtsfeier machen, wenn Frank noch die ganze Woche krank ist und dann ja schon gleich Weihnachten ist.
Tag 7 - Dienstag, 15.12.2009 - Bericht von Frank
Es kam plötzlich und schnell
Der Dienstag morgen begann für mich wie jeder Tag. Putz munter und ausgeruht ging ich auf Arbeit und machte mich an meine Aufgaben. Mir ging es wunderbar ohne Anzeichen einer Erkrankung oder sonst irgendwelcher Leiden.
Gegen 16 Uhr bemerkte ich das erste Unwohlsein, gab diesem aber nicht viel Bedeutung. Gegen 17:30 Uhr fuhr ich noch zu einem Freund, wo ich schon begann zu frieren. Nach meinem Besuch, etwa gegen 19 Uhr fuhr ich nach Hause und bemerkte dass ich bereits eine erhöhte Temperatur hatte. Mir ging es schon sehr schlecht, dennoch holte ich meine Freundin vom Schwimmen ab. Zu Hause angekommen viel ich nur noch ins Bett und merkte wie es mir von Minute zu Minute schlechter ging.
Am nächsten Morgen ging es mir so schlecht das es mir schwer viel aufzustehen. Neben Schüttelfrost, über 40°C Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, hatte ich Schmerzen im Lungenbereich. Meine Freundin fuhr mich direkt zum Arzt, wo mir schon der Kontakt zu anderen Patienten verboten wurde. Ich musste mich extra setzen und alles um mich herum wurde desinfiziert. Als ich beim Arzt im Behandlungsraum war, äußerte dieser den Verdacht auf Schweinegrippe und verschrieb mir auch sofort Tamiflu und ordnete die Entnahme einer Rachenprobe an. Ich war froh als wir zu Hause ankamen und ich mich hinlegen konnte, da dieser ganze Weg extrem anstrengend für mich war. Meine Freundin wurde nach Hause geschickt und musste von zu Hause aus Arbeiten, da die Gefahr der Ansteckung zu groß war.
Mittlerweile geht es mir schon besser und ich werde wohl auch diese Woche wieder arbeiten gehen. Es ist nicht so, dass ich noch nie so krank war, nur kamen die Symptome innerhalb weniger Stunden und hauten mich komplett um.
Tag 8 - Mittwoch, 16.12.2009
12:45 Uhr - Das Testergebniss von Frank ist da. Es ist keine Schweinegrippe! Ich glaub mein Schwein pfeift... Nun, wie auch immer der Virus genannt wird, hauptsache Frank ist auf dem Weg der Besserung. Und Grippe hin oder her, was hilft ist wohl auch immer das selbe: viel Ruhe, viel trinken, Vitamine und ordentlich auskurieren.
15:00 Uhr - Nun kapituliert Oliver und geht mit seinem Husten und Kopfschmerz nach Hause. Heidi hustet ebenfalls. Die Praktikantin ist zum Arzt. Die Weihnachtsfeier sollte heute eigentlich nachgeholt werden aber ist jetzt auf nach Weihnachten verschoben.
Tag 9 - Donnerstag, 17.12.2009
12:30 Uhr - Oliver ist krank, schlägt sich mit Fieber rum und setz auf Hustentabletten. Wir desinfizieren seine Tastatur und Maus und fühlen uns einsam. Die Praktikantin ist krankgeschrieben und weiß noch nicht, ob sie morgen wieder kommt. Der ehemaliger Kollege, den es zeitgleich mit Frank umgehauen hatte, meldet, das es langsam wieder besser wird. Ich hab früh Celmentinen, Kiwis für die Kiwis und Meerrettich gekauft, damit wir übrigen fit bleiben. Wir überlegen, ob wir so eine Erkältungswelle im letzten Jahr auch hatten. Nein! Irgendwas ist dieses Jahr anders.
17:30 Uhr - Ich übernehme die Versorgung von Oliver und bringt ihm noch etwas Wasser und tröstende Worte nach Hause.
Tag 11 - Freitag, 18.12.2009
13:30 Uhr - Frank ist wieder da. Beim gemeinsamen Frühstück erzählt er nochmal, das er so einen akuten Verlauf noch nicht erlebt hat. 3 Tage ging gar nichts mehr. Heute Nachmittag will er schon wieder zum Sport, der verrückte Kerl. Seine Anwesenheit motiviert weiter alle zum intensiven Händewaschen. Wir haben ein Seifenverbrauch, wie noch nie.
Oliver gehört eigentlich ins Bett, jedoch die Pflicht ruft. Nun sitzt er hier, riecht wie ein Koalabär von den ganzen Hustenmitteln und klingt wie ein Wahlross. Wir füttern ihn mit Obst und halten Sicherheitsabstand, wärend wir mit Zystrosen-Tee vorbeugen. Soll ja helfen, mal sehen.
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