NEWS vom 15.07.2009
Größte Impfwelle seit 1961 für Deutschland
15.07.2009 - Im Herbst wird es die größte Impfaktion der Bevölkerung seit 48 Jahren geben. Zur Impfung gegen Schweinegrippe werden 25 Millionen Bürger aufgerufen. "Die Impfungen werden freiwillig sein. Es ist ein Angebot", betonte Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Westdeutschland hatte das letzte Mal eine solche Impfaktion 1961 erlebt. Damals war es eine Schluckimpfung gegen Kinderlähmung (Polio). 60 Millionen Bundesbürger nahmen damals daran teil. Die ehemaligen DDR-Bürger hingegen sind impf-erprobter. Hier gehörte Impfen ganz einfach dazu. Vergaßen die Eltern einen Termin, wurden sie von der Impfstelle per Post erinnert. Schulkinder wurden vom Unterricht freigestellt um gemeinsam zur Impfstelle zu gehen. Die Impfung im Herbst erfordert nun ungeheure organisatorische Anstrengungen. Ulla Schmidt geht davon aus, das Krankenhäuser die Impfungen selbst für ihr Personal durchführen werden. In größeren Betrieben ist davon auszugehen, das es direkt vor Ort eine Impfmöglichkeit geben wird. (Text: © Kiwi Vision, Daten: dpa)
Großbritannien: Kein Weihwasser mehr, kein Abendmahl
15.07.2009 - Der Bischof von Chelmsford, John Gladwin, schrieb an Priester in der ostenglische Grafschaft Essex eine dringende Bitte. In Zeiten der Schweinegrippe müsse der Gottestdienst abgewandelt werden. Um der rasanten Ausbreitung der Schweinegrippe einhalt zu gebieten, soll das Weihwasser zu Beginn der Messe, in das die Gläubigen ihre Finger tauchen bevor sie sich kreuzigen, weggelassen werden. Dieses Wasser wird sonst schnell zur Infektionsquelle für alle Anwesenden. Weiterhin sollen infizierte Gemeindemitglieder nicht mit den anderen aus einem Kelch trinken. Die Hostie würde in dem Fall völlig ausreichen. Wenn Geistliche zu Seelsorgegesprächen gerufen würden, sollen Sie absofort Handschuh, Mundschutz und Schürze tragen. Diese Maßnahmen sind nicht nur in Großbritannien zu überlegen. (Text: © Kiwi Vision, Daten: dpa)
Belgische Armee kämpft ab heut gegen Schweinegrippe
15.07.2009 - Statt mit Waffen bewaffnet sind die belgischen Streitkräfte seit heute bis unter die Zähne mit Grippemitteln und Atemschutzmasken "ausgerüstet". Eine wunderbare Verwendung einer Armee. Tatsächlich ist es die Armee, die 90.000 Packungen Grippemittel und 900.000 Gesichtsmasken überall im Land auf Lagerhäuser verteilt. Belgien zählt bis jetzt 124 Infizierte. Die Regierung erwartet im Herbst die große Ausbreitung im Land. (Text: © Kiwi Vision, Daten: AP)
Es gibt keinen Impfstoff
15.07.2009 - So klar aber auch ernüchternd stellte WHO-Chefin Margaret Chan die Lage jetzt klar. Im August wird zwar ein Impfstoff vorliegen aber es dauernd in jedem Fall noch zwei bis drei weitere Monate, bis dessen Verlässlichkeit in klinischen Tests nachgewiesen ist. Also kein Impfstoff vor Oktober/November 2009. Bis dahin hilft nur, das sich jeder an die Hygienemaßnahmen hält, Infizierte mit Grippemittel versorgt werden und in Quarantäne warten, bis sie nicht mehr infektiös sind. (Text: © Kiwi Vision, Daten: AFP)
Deutschland: 839 Infizierte, 76 Neu-Infektionen
15.07.2009 - Die größte Zunahme an Neuinfektionen in Deutschland gab es in den letzten 24-Stunden seit Ausbruch der Schweinegrippe. Ganze 76 Fälle meldet das RKI. So verteilen sich die Zahlen auf die Bundesländer:
Nordrhein-Westfalen (334)*
Baden-Württemberg (114)*
Niedersachsen (96)*
Bayern (93)
Hessen (37)
Schleswig-Holstein (28)*
Berlin (27)*
Sachsen (23)
Rheinland-Pfalz (22)
Thüringen (18)
Sachsen-Anhalt (14)*
Hamburg (9)*
Brandenburg (8)*
Mecklenburg-Vorpommern (8)*
Saarland (5)*
Bremen (3)
* = neue Fälle hinzugekommen seit gestern.
Bei 57 von 71 Fällen handelt es sich um Reiserückkehrer, vor allem aus Spanien/Mallorca. Wir können gar nicht oft genug auf die einfachen Schutz-Regeln hinweisen, die sie selbstverständlich auch im Urlaub beachten müssen. (Text: © Kiwi Vision, Daten: RKI)
aktuelle Zahlen: 119.344 Infizierte in 139 Ländern, 589 Tote
15.07.2009 - "In 80 Tagen um die Welt" und dabei fast 120.000 Menschen infiziert - so könnte der Roman zur Schweinegrippe lauten. Vergangenen Mittwoch waren 100.000 Fälle erreicht. Nur 1 Woche später sind es 20.000 mehr. 8 neue Länder melden erste Fälle der Schweinegrippe: Afghanistan (Eurasien), Botswana (Afrika), Guyana (Afrika), Libyen (Afrika), Saint-Vincent (Karibik), Seychellen (Afrika), Syrien (Eurasien) und Tansania (Afrika) - siehe Länderliste. 4 Länder stehen kurz vor ihrem 10.000. Fall: Australien (9.050), Chile (9.549), Kanada (9.717) und Großbritannien (9.718). Mexiko und die USA sind schon über diese Schwelle. Besonders viele Todesfällle gibt es in den USA (211), Mexiko (121) und Argentinien (94). Immernoch nimmt die Schweinegrippe weltweit massiv zu, wie ein Blick in unseren grafischen Verlauf beweißt. (Text: © Kiwi Vision, Daten: WHO)
Belgien und Finnland ändern Strategie
15.07.2009 - Belgien zählt aktuell 124 Infizierte und ändert zu diesem frühen Zeitpunkt seine Strategie im Umgang mit der Schweinegrippe. Es werden nicht mehr Proben aller Patienten mit Grippesymptomen im Labor untersucht sondern nur noch Stichproben. Auch Finnland, wo es aktuell 109 Fälle gibt, ghet absofort anders vor. Hier wird nicht mehr versucht alle Mitreisenden zu finden, wenn ein Urlauber mit Schweinegrippe am Flughafen gelandet ist. Als erste Länder änderten die USA und England ihre Strategien. Allergings mehr aus Mangel an Kapazitäten, um allen Fällen nachgehen zu können. Folge dieser Strategieänderungen ist, das nicht mehr alle Fälle gezählt werden. Die Schweinegrippe reist munter weiter um die Welt, während wir stehen bleiben und nur noch einzelne Fälle registrieren. Die Dunkelziffer steigt somit um ein Vielfaches. (Text: © Kiwi Vision, Daten: gwa)
Nürnberg: weitere Schüler nach Mallorca-Reise infiziert
15.07.2009 - Bei der Abiturklasse aus Nürnberg, die ihre Abschlußfahrt auf Mallorca verbrachte, haben sich weitere drei Fälle von Schweinegrippe bestätigt. Insgesamt sind nun 6 Schüler erkrankt. Alle zum Glück mit nur leichten Symptomen. Nach der Abschlußfahrt gab es kein Unterricht mehr, so das auf eine Schulschließung verzichtet werden konnte. Gute Besserung nach Nürnberg. (Text: © Kiwi Vision, Daten: dpa)
RKI sieht Deutschland optimal versorgt
15.07.2009 - Die Meldungen zur Schweinegrippe reißen seit gestern nicht ab. Das mediale Interesse ist neu geweckt. In vielen Interviews müssen Fachleute und Politiker Pläne und Strategien erklären. RKI Chef Jörg Hacker sagte heute morgen gegenüber dem Deutschlandfunk: "Ich denke, wir werden eine optimale Versorgung haben". Geplant ist die Impfung von 30 % der Bevölkerung Deutschlands. Aktuell gibt es in Deutschland 763 Infizierte. Hacker sagte zu den täglich zwischen 20 und 50 Neuinfektionen, sie seinen: "kein Grund, in Deutschland in Panik zu verfallen". Immernoch befindet sich Deutschland im Anfangsstadium mit wenigen und lokal begrenzen Fällen, die gut abgefangen werden können. Länder wie England und die USA sind da bereits weiter und musste wegen massiver Ansteckungen in einigen Gebieten ihre Strategie zur Bekämpfung ändern. In Hinblick auf England und USA jedoch sieht Hacker Deutschland auf dem richtigen Kurs. (Text: © Kiwi Vision, Daten: ddp)
Italien: 15 % der Bevölkerung werden geimpft
15.07.2009 - In Deutschland sollen 30 % der Bevölkerung geimpft werden. In Italien ganze 15 %. Das sind knapp 8,6 Millionen Menschen. Das teilte das Gesundheitsministerium in Rom mit. Die Staffelung der Impfstrategie ist dabei ähnlich der Deutschen. Zunächst Pflegepersonal und chronisch Kranke. Ab Februar dann Kinder und Jugendliche. Ob diese Strategie jedoch Sinn macht ist fraglich. Mehrfach haben wissenschaftliche Simulationen am Computer ergeben, das vor allem Kinder und Jugendliche zur pandemischen Verbreitung eines Virus beitragen. Sie so spät erst zu impfen, kann böse Folgen für Italien haben. Der stellvertretende Gesundheitsminister Ferruccio ist sich dennoch sicher, das auf diese Weise die Zahl der Infizierten auf 3-4 Millionen Italiener begrenzt werden kann. Ohne die Impfmaßnahmen rechnet das Ministerium sogar mit 13 Millionen Erkrankten. Gegenwärtig zählt Italien 224 Infizierte. (Text: © Kiwi Vision, Daten: AP)
Mecklenburg-Vorpommern: Neue Fälle
15.07.2009 - Das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern glänzte bisher durch wenige Schweinegrippe Fälle und hielt diese seit Wochen. Nun sind neue Fälle bekannt geworden. So haben sich mehrere Chorsänger der Bundeswehr bei einem Gastauftritt in Kanada scheinbar mit dem Virus infiziert. 8 der 56 Chormitglieder wiesen nach der Rückkehr Grippesymptome auf. Bei drei wurde der Verdacht auf Schweinegrippe bereits bestätigt. Bei drei weiteren werden die Ergebnisse noch erwartet. Die Patienten aus Neubrandenburg und dem Landkreis Uecker-Randow kurierten sich zu Hause aus.
Weiter haben sich zwei junge Männer nach ihrer Reise nach Mallorca mit Grippesymptomen gemeldet. Die 25 und 27 jährigen aus Rostock und Ludwigslust haben sich unabhängig voneinander angesteckt. Einer war privat im Urlaub, der andere auf Abschlußfahrt mit seiner Lehrlingsklasse. Auch aus anderen Bundesländern mehrern sich die Berichte über Mallorca-Rückkehrer. Meck-Pom hat damit nun 8 bestätigte Fälle und weitere Verdachtsfälle. (Text: © Kiwi Vision, Daten: ddp)
Hessens Gesundheitsminister zur Impfstoff Bestellung
15.07.2009 - Hessens Gesundheitsminister Jürgen Banzer äußerte sich gegenüber dem Nachrichtendienst ddp ausführlicher zur Impfstoff Bestellung der Bundesregierung: "Wir gehen von steigenden Infektionszahlen im Herbst und Winter aus. Darauf müssen wir vorbereitet sein". 30 % der Bevölkerung sollen vorerst geimpft werden. Bund und Länder lassen sich da aber scheinbar Optionen offen. Banzer sagte weiter: "Falls wir einen zusätzlichen Bedarf an Impfstoff haben, müssen wir ihn in kürzester Zeit flexibel decken können". (Text: © Kiwi Vision, Daten: ddp)
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